
50 Jahre memory®
An seinem 50. Geburtstag ist ‚memory®’ bekannt wie nie: 91 % aller Deutschen kennen laut einer Studie das erfolgreichste Spiel aus dem Hause Ravensburger.
Auch der Rest der Welt schätzt memory®, vor allem wegen des genial einfachen Spielprinzips: In über 80 Ländern verkaufte sich der Klassiker bis heute 75 Millionen Mal. Das bedeutet: Legte man alle Bilderkarten aneinander, würde diese Kärtchenkolonne rund acht Mal den Erdball umrunden.
Die Spielwiese Bielefeld präsentiert während der diesjährigen Spielewelt in Bielefeld viele memory®-Varianten auf einer Sonderfläche im Kleinen Saal der Ravensberger Spinnerei.
Das Erfolgsgeheimnis von memory® liegt in seiner schlichten, aber reizvollen Idee: Wer aus einer beliebigen Zahl von verdeckt liegenden Bild-Paaren je zwei Kärtchen umdreht, und die meisten Paare findet, ist Sieger. Dieses Spielprinzip hat sich seit der allerersten Ausgabe von memory®, das Ravensburger 1959 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorstellte, nicht geändert.
Als Vater von memory® gilt der Schweizer Militärattaché William Hurter. Die Grundidee, die hinter memory® steckt, ist sicher älter als 50 Jahre und wahrscheinlich rund um die Welt bekannt. Man weiß nicht, wer, wann und wo erstmals auf die Idee kam, aus identischen Bildern ein Such-Spiel zu machen. Sicher ist, dass es in England und in den USA ab dem 19. Jahrhundert ein Spiel, das „Pairs“ genannt wurde, gab. „Pairs“ spielt man mit einem Doppelsatz normaler Spielkarten. In Basel brachte um 1940 die Erzieherin Berta von Schröder ein sogenanntes „Zwillingsspiel“ mit selbstbemalten rechteckigen Kärtchen für Kindergartenkinder auf den Markt. Heinrich Hurter, ebenfalls ein Schweizer, bastelte um 1950 ein Spiel als Mitbringsel für die Familie seines Sohnes William. Der war zu dieser Zeit Militärattaché in London.
Eben dieses handgebastelte Spiel sollte als memory® in die Geschichte eingehen. Vater Hurter hatte quadratische Kartontäfelchen genommen, und darauf Ausschnitte aus Illustrierten und Warenhauskatalogen geklebt, die Fotos, Zeichnungen und Ausschnitte von Gemälden zeigten. Freunde der Familie, die das Spiel im Hause des Diplomaten spielten, ermuntern William Hurter, das Spiel einem Spielehersteller anzubieten.
Im Dezember 1957 nimmt er Kontakt zum süddeutschen Otto Maier Verlag auf, und präsentiert am 24. Januar 1958 in Ravensburg dem damaligen Programmleiter Erwin Glonnegger sein Spiel. Wenige Tage später ist klar: Ravensburger übernimmt das Spiel. Und auch die Namensfindung geht schnell: Weil Hurter dem Seniorchef Karl Maier berichtet hatte, wie seine englische Freunde stets „Let’s play your memory game“ verlangten, wird das Spiel beider Nürnberger Spielwarenmesse Ende Februar 1959 unter dem Namen „Bilder memory®“ vorgestellt.
Am 15. April war das Spiel dann mit einer ersten Auflage von 6.000 Stück fertig produziert. Insgesamt setzte der Verlag 1959 fast knapp 8.000 Stück ab – für die damalige Zeit eine extrem hohe Auflage. Die Bildausschnitte für die 54 Bildpaare hatte Hausgrafiker Manfred Burggraf ausschließlich aus Ravensburger Büchern, Spielen und Kataloge zusammengetragen;somit war memory® unverwechselbar geworden, und man konnte als willkommenen Nebeneffekt das eigene Verlagsprogramm via memory® bekannt machen.
Von Anfang an wurden die Spielregelngleich in mehreren Sprachen gedruckt, und memory® wanderte in die Ladenregale in den Niederlanden, in Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen, Spanien, USA, Mexiko, Peru,Australien, Neuseeland und Kanada.1961 wurde memory® auf 63 Bildpaare erweitert, und man wechselte von randlosen auf weiß umrandete Bilder: So wollte man verhindern, dass die Spieler anhand der eingeschnittenen Ränder sehen oder zumindest raten konnten, welches Kärtchen hier verdeckt lag – was besonders bei hellem Untergrund möglich war. 1962 wechselt der Name: Aus dem „Bilder memory®“ wurde das „Original memory® – und das blieb nicht die letzte Veränderung: Viele weitere Male wurde das erste Ravensburger memory® insgesamt umgestaltet.
Schon früh entstanden Varianten: 1960 kam das erste Junior memory® auf den Markt, 1967 folgte das Natur memory®, seit 32 Jahren gibt es das Kinder memory®. Auch das Einmaleins konnte man Ende der 1960er-Jahre mit memory® üben, ab 1971 gab es ein Lese memory®. 1980 bekam die memory® Familie sprunghaft an: Lizenzcharaktere kamen ins Programm, und so prangen seitdem Micky Maus, Bob der Baumeister, Der König der Löwen und andere Helden aus Kino und Fernsehen auf den Kärtchen.
memory® ist zeit- und alterslos: Ausgaben für Kinder ab zweieinhalb Jahren bis hin zu Erwachsenenthemen machen das Bildersuchspiel ideal für Familien von zweieinhalb bis 99 Jahren. Inzwischen lässt sich memory® längst auch auf dem Computer spielen.
Personalleiter haben zudem schon früh den Wert des Prinzips von memory® für ihre Zwecke genutzt: Bereits 1959 verschickte Ravensburger auf Anfrage einen psychologischen Test, mit dessen Hilfe Bewerber im Hinblick auf Konzentration und Merkfähigkeit via memory® geprüft werden konnten.
Mehr als 250 verschiedene Ausgaben sind bis heute erschienen, mehr als 75 Millionen Mal wurde das Spiel in 80 Ländern der Welt verkauft – und alle vereint das, was den Erfinder William Hurter so fasziniert hat: „Bei memory® können Kinder, wenn sie ein gutes Gedächtnis haben, gegen Erwachsene gewinnen – ohne dass sich die Großen zurückhalten müssen.“ Das mag als Versuch genügen, die 50-jährige Erfolgsgeschichte zu erklären. Wer die Faszination memory® ganz begreifen will, dem bleibt nur: es zu spielen!

